Kinobesuch mit Folgen - Langversion

Wie ein Kinobesuch zu einem Großprojekt führte und zwei Musikprofessoren monatelang in Beschlag nahm
 
Rostock, 1.11.2010 Zwei befreundete Professoren der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT), Silvio Dalla Torre und Hartmut Möller, sitzen im Rostocker „Lichtspieltheater Wundervoll“. Sie sehen den Dokumentarfilm „Kinshasa Symphony“, der die faszinierende Geschichte eines Symphonieorchesters mitten in Afrika erzählt. Die Beiden sind so bewegt von dem, was sie da sehen und hören, dass sie spontan beschließen, auf Kongoreise zu gehen.
 
2.11.2010 Dalla Torre und Möller nehmen Kontakt mit Martin Baer auf, einem der
beiden Regisseure des Films. Baer berichtet, dass es nach dem großen Erfolg auf
der Berlinale 2010 ein reges Interesse am OSK, dem „Orchestre Symphonique Kimbanguiste“ gäbe. Viele Menschen wollten die afrikanischen Musiker unterstützen.
Was diese am meisten benötigten, professionelle Ausbildung nämlich, sei allerdings extrem schwer zu organisieren. Baer stellt den Kontakt zu Armand Diangienda her,
dem Gründer und Dirigenten des OSK.
 
3.11.2010 Dalla Torre kontaktiert Diangienda per E-Mail.
 
10.11.2010 Nach einer Woche ist noch keine Antwort eingegangen.
 
12.11.2010 Diangienda schreibt zurück, dass er um Entschuldigung bitte wegen der späten Antwort. Häufige Stromausfälle im Kongo und andere Schwierigkeiten machen den E-Mail-Verkehr kompliziert. Er freue sich sehr über das Interesse am OSK und heiße die beiden Musiker willkommen.
 
14.11.2010 Dalla Torre und Möller planen im Zeitraum Februar/März 2011 in den Kongo zu reisen.
 
16.11.2010 Die Hausärzte der beiden Musiker erstellen individuelle Impfpläne. Neben Auffrischungsimpfungen der Standardimmunisierungen Polio, Dyphterie und Tetanus ist eine Impfung gegen Gelbfieber notwendig. Der Nachweis ist erforderlich zur Einreise in den Kongo.
 
17.11.2010 Dalla Torre beantragt beim Kanzler der HMT, dass ein Kontrabass aus dem Inventar genommen und als Schenkung freigegeben wird. Der Kontrabass war nach einem Unfall schwer beschädigt worden und nicht mehr benutzbar. Die Reparatur-
kosten von über 3000 € konnten nicht übernommen werden.
 
21.11.2010 Der Kanzler bewilligt den Antrag.
 
22.11.2010 Dalla Torre macht sich auf die Suche nach einem Geigenbauer,
der bereit ist, das Instrument kostenlos zu reparieren.
 
23.11.2010 Hartmut Möller, Doktor der Musikwissenschaft, erläutert Dalla Torre (Professor für Kontrabass) die ersten Resultate, die seine Nachforschungen zum Musikleben in der Demokratischen Republik Kongo erbracht haben.
Aus seiner Sicht sei die Reise in vielerlei Hinsicht lohnend.
 
24.11.2010 Ein Geigenbauer hat sich gefunden: Heiner Dithmar aus Hamburg erklärt sich bereit, die aufwändige Restauration des Kontrabasses als seinen Beitrag zur Unterstützung des OSK zu übernehmen.
 
27.11.2010 Eine Entscheidung hinsichtlich der Malaria-Prophylaxe-Medikation ist zu treffen. Neben einem Mittel, das Schizophrenie hervorrufen kann, ist ein neues Medikament auf den Markt gekommen, wovon eine Tablette allerdings sieben Euro kostet.
 
28.11.2010 Die Kosten der Reise erweisen sich als extrem hoch. Die Demokratische Republik Kongo ist zwar eines der ärmsten Länder der Welt, aber paradoxerweise auch eines der teuersten.
 
29.11.2010 Dalla Torre und Möller beschließen, zur Deckung der Kosten des Projekts, zusätzlich zum jeweiligen Eigenanteil in Höhe von 2500 Euro Spenden einzutreiben.
 
30.11.2010 Das Kinshasa-Unternehmen der beiden Hochschulprofessoren wird
in der Rostocker Presse vorgestellt.
 
1.12.2010 Die Idee reift heran, den Film „Kinshasa-Symphony“ in der Rostocker HMT aufzuführen.
 
2.12.2010 Ein Antrag zur Filmaufführung wird gestellt, gleichzeitig ein Dienstreise-
antrag zur Fahrt nach Kinshasa. Dieser ist wichtig, weil sonst kein Versicherungs-
schutz besteht.
 
3.12.2010 Dalla Torre ruft beim Filmverleih „Edition Salzgeber“ an. Salzgeber ist
bereit, die Kosten der Aufführung zu reduzieren um das Projekt zu unterstützen.
Die erforderlichen technischen Vorkehrungen werden beschrieben.
 
4.12.2010 Dalla Torre und Möller vereinbaren ein Treffen mit einer Berlinerin, die Erfahrung mit Kongoreisen hat, das OSK kennt und etliche Kontakte in das Land pflegt.  
 
5.12.2010 Der Rektor der HMT genehmigt die Dienstreiseanträge und gibt den Katharinensaal der Hochschule zur Filmaufführung frei. Als Termin wird der
9. Februar 2011 festgelegt.
 
6.12.2010 Erste Auffrischungsimpfung. Die Gelbfieberimpfung, die nur vom Gesundheitsamt durchgeführt wird, muss zur Verträglichkeit und Wirksamkeit
exakt mit den anderen Impfmaßnahmen abgestimmt werden.
 
7.12.2011 In einer E-Mail an Armand Diangienda, der bereits zahlreiche 
vorausgegangen sind, werden Details zur Arbeit mit dem OSK erörtert.
Dalla Torre und Möller schreiben, dass sie in erster Linie als Freunde,
nicht als Entwicklungshelfer anreisen werden und das Orchester sowie
dessen Situation kennen lernen möchten.
 
FORTSETZUNG FOLGT!